Mein ganz persönlicher Schlüssel zur Selbstheilung.

03.05.18

Wow. Was für ein privater Blogpost. Was für intime Bilder. Dazu heute auch ein unglaublich privater Text. In den Zügen meiner Abschlussarbeit zur kreativen Tanz- und Ausdruckstherapeutin habe ich mich viel mit der Faszination und Abhängigkeit in Beziehungen beschäftigt und sehr viel über mein eigenes Leben refelktiert.

Mein Leben lang, haben mich kaputte, zerbrechliche, unsichere oder depressive Menschen wie angezogen. Ich konnte nicht anders, als mich mit ihnen zu verbinden. Menschen, denen man auf den ersten Blick angesehen hat, wie zerbrochen sie sind. Man sah ihr Leid, ihre traurigen Augen. Ich habe mich immer mit „Problemfällen“ umgeben. Warum fragst du dich? (Oder du hast ebenfalls ein Helfersyndrom und schreist innerlich: ja genau!!) 1. Es war unglaublich schön für mich, für jemanden da sein zu können. Jemandem mein offenes Ohr und mein Vertrauen zu geben. Ich habe mich immer gebraucht und wichtig gefühlt. Aber in den letzten Jahren meiner Therapien und Selbsterfahrungen kam noch Punkt 2 dazu. Es war nämlich auch so, dass ich in diesen Menschen eine Art Zerbrechlichkeit gesehen habe, die ich von mir selbst kannte. Nur hatte ich keine Möglichkeit, diese auch nach außen zu zeigen. Dafür war ich zu taff, stark, zu weit von mir weg, zu eitel, unsicher. Nein, ich hatte einfach zu viel Angst. Ich war wie süchtig danach, diese Zerrissenheit in anderen zu sehen, weil es sich angefühlt hat, als hätte ich sie damit auch in mir gesehen. Ich wollte mich um sie kümmern. Wollte mich eigentlich um mich selbst kümmern, aber ich konnte es einfach nicht. Und deshalb habe ich mich um so andere gekümmert. 

In den letzten 2 Jahren habe ich das alles nachgeholt. Ich habe angefangen die Zerbrechlichkeit auch in mir zu sehen, sie nach außen zu leben. Ich hab mich in social media geöffnet, mich damit zugänglich & verletzlich gemacht. Ich habe es zugelassen in den Armen von anderen Menschen zu weinen. Ich habe aktiv um Hilfe gebeten und auch gesagt, dass ich etwas nicht kann. Das tat so gut! Denn ich habe gelernt, dass das, was ich immer gehofft habe von anderen zu bekommen, ich mir eigentlich auch selbst geben kann. Ich bin weich geworden für meine Ängste und Schwächen. Sensibel für meine Grenzen. Und ganz, ganz liebevoll mit mir selbst.

Wie ist es heute? Ich mag die Melancholie und die Nostalgie. Ich mag es auch mal traurig zu sein. Ich mag die Stille. Und ich mag es, wenn unsichere Menschen meine Nähe suchen, auf unsere Workshops kommen oder mich um Hilfe bitten. Und ebenso mag ich es, mich mit starken Menschen zu verbinden. Oder viel mehr mit Menschen, die um ihre eigene Zerbrechlichkeit wissen. Die ihre Narben schätzen und stark damit durchs Leben laufen. Ich fühle mich mehr angezogen von all den „Überlebenden“ die losgegangen sind und ihr Leben selbst in die Hand genommen haben. 

Auf den Bildern mit meinem Freund habe ich einen starken Mann an meiner Seite. Einen großen Menschen neben mir, der mich beschützt. Ich mag es zu sehen, dass ich kleiner bin. Ich mag es, wenn ich spüre wie stark er ist. Ich fühle mich nicht mehr von Schwäche angezogen, sondern von Stärke, in der ich auch mal schwach sein darf. Ich liebe es, diesen Raum bei ihm zu haben. Den Raum in dem ich klein und zerbrechlich bin. In dem ich einfach sicher & beschützt bin. In dem, egal wie erfolgreich, erwachsen oder dominant ich bin, ich einfach ein kleines Mädchen bin, das in den Armen von einem starken Mann mal eine Stunde traurig sein darf. Ohne sich zu erklären, ohne zu sprechen. Einfach ankommen und sein. Das ist das, was mich heute süchtig macht. Bedingungslose Liebe & Schutz während ich mich um meine Verletzlichkeit kümmere. Das ist der Raum, den ich in meinem Leben brauche. Den ich mir nicht selbst geben kann. Das ist der Ort, an dem ich Abends die Tür zu mache und einfach loslassen kann.

Danke meine liebste Caro, für diese unglaublichen Bilder. Und dass du es geschafft hast, genau das festzuhalten, was ich immer in uns sehe. Das, was ich fühle. Du bist wundervoll!