Neblige Berghochzeit | Sina & Flo

21.04.17

Wir haben viel zu oft Angst etwas falsch zu machen. Angst zu scheitern, Angst etwas zu verlieren. Und am meisten, haben wir Angst vor Veränderung. Weil Veränderung immer etwas mit loslassen zu tun hat. Was passiert, wenn uns nicht verändern? Klar, wir können unsere Energie für etwas anderes nutzen, wir müssen uns dem Scheitern nicht stellen oder den Gedanken, die wir haben. Wir müssen uns vor anderen nicht rechtfertigen, wenn es nicht so läuft wie wir uns das vorstellen. 

Aber die viel wichtigere Frage ist, was würde passieren, wenn wir diese Veränderung annehmen? Wenn wir uns aufmachen zu neuen Ufern, neuen Möglichkeiten? Mein Leben hat sich im letzten Dreivierteljahr komplett verändert. Ob das gut oder schlecht ist, kannst du vorher nicht sagen. Und es lohnt sich auch nicht, sich Gedanken drüber zu machen, wie es wohl wäre, wenn wir unser Ziel erreichen oder scheitern. Du kannst es nur wissen, wenn du es ausprobierst.

Doch zurück zur Angst. Angst ist komplett berechtigt und etwas lebensnotwendiges. Denn in der physischen Welt lauern zahlreiche Gefahren. Und die Angst schützt uns vor ihnen. Sie hält uns davon ab, vor ein fahrendes Auto zu rennen, sie warnt uns, wenn wir mit Menschen zusammen sind, die uns etwas antun könnten, sie wählt zusammenpassende Kleidungsstücke aus dem Schrank aus, damit wir uns nicht lächerlich machen. Und sie veranlasst einen Arzt aufzusuchen, wenn wir eine Behandlung benötigen. 

In „Sieben kleine Worte“ heißt es: Aber es besteht ein Unterschied zwischen dem Fällen kluger Entscheidungen und einem Leben, das durch und durch von Angst bestimmt ist. Anders als die Liebe, die uns ernährt und unsere Vitalität fördert, beraubt uns die Kraft und verringert unsere Lebensfreude.“

Und das ist so wahr! Die Angst hat auch in meinem Leben eine sehr, sehr große Rolle gespielt und mich sehr lange stark eingeschränkt. Irgendwann habe ich rausgefunden, dass es gar nicht direkt um die Angst geht, sondern um die Angst vor der Angst. Die Angst davor, dass ich wieder Angst haben könnte, wieder Kontrolle verlieren könnte. Und irgendwann nimmt die Angst so viel von deinem Alltag ein.

Wenn sich die Angst in unserem Alltag so viel Raum nimmt, hast du dich mal gefragt wie viel Raum noch für Liebe ist? Und damit meine ich nicht, Liebe im Sinne von Beziehung, sondern Liebe im Sinn von Dankbarkeit und Glück? Wie oft am Tag lachst du von Herzen? Wie oft verbringst du Zeit mit Menschen die dir wirklich gut tun? Wann hast du das letzte mal, jemanden aktiv um Hilfe gebeten? Ich befinde mich aktuell in Oberstdorf in einem Hotel und nehme mir zwei Tage nur Zeit für mich. Und ich bin so voller Liebe! Ich laufe nachts durch die Straßen und es schneit ohne Ende, ich bin dankbar für jedes Lächeln auf der Straße. Gestern habe ich mich mit einem Buch und einem Glas Wein in ein Cafe gesetzt und mich nur um mich gekümmert. Heute war ich spazieren, in der Sauna, Laufen, habe ausgeschlafen. Sich Zeit für sich, und somit Zeit für die Liebe zu nehmen, kostet euch keinen Cent. Ihr braucht nur euch selbst und etwas Zeit. Und das ist unbezahlbar.

 

 

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In Oberstdorf habe ich im Februar die Hochzeit von Sina & Flo begleitet. Ganz klein, ganz intim… und vor allem: heimlich. Ich bin so dankbar für das Vertrauen, das meine Paare in mich haben. Und ich habe es so genossen, zusammen mit Marina, diese Hochzeit zu begleiten. Zwar nicht wie gewünscht mit Bergblick… aber dafür mit ganz viel Nebel und Regen. Das war auch eine besondere Atmosphäre!