Mein ganzes, halbes Jahr | Edith & Patrick

26.06.17

Jetzt sitze ich hier, auf meinem Hotelzimmerbett. Eines von unglaublich vielen, in denen ich dieses Jahr meine Nächte verbracht habe. Ich glaube, ich bin noch nie so viel zu vor gereist wie dieses Jahr. Und wenn das Jahr sich so langsam der Mitte neigt und die Tage wieder so lang werden, dann kommt diese melancholische Stimmung in mir auf, von der ich mich so gerne tragen lasse. Rückblickend ist das Jahr zwar erst zur Hälfte vorbei, aber die ganzen Erlebnisse und Highlights liesen sich auch in vier Jahre packen. Dieses Jahr ist ein aufregendes.
 
Und da waren so unendlich viele atemberaubende Momente. Das Frühstück mit Marina im Yosemite Park, in mitten von 2 Meter hohem Schnee, Felsen, Berge und der ganz wichtigen Erkentnnis. Für uns, für unsere Freundschaft. Ich habe in Saint Tropez überteuertes Sushi gegessen, in London in der Roof Top Bar für 100 Euro viel zu kleine Coctails getrunken, mich in den Bergen von dem Gefühl der Weite tragen lassen., mich in Portugal in die Gelassenheit verliebt, ich bin jeden Abend am Explore to Create mit einem Lachen eingeschlafen, weil es mich so erfüllt andere Menschen ein Stück weit glücklicher zu machen. Ich habe meinen Horizont in Marrakech erweitert und die Sterne über dem Himmel im Atlasgebirge bewundert. Ich habe Nächte durchgetanzt, bin während nächtlichen Gesprächen mit Freunden, vor Zufriedenheit einfach eingeschlafen, bin mit leeren Koffern nach London geflogen und mit randvollen wieder nach Hause, ich habe Coldplay live gesehen und mich im Rausch von Konfetti, Glitzer und Feuerwerk so unendlich voller Liebe gefühlt. Ich habe losgelassen, mich fallen lassen, es riskiert mich auf neues einzulassen. Ich habe mich treiben lassen, mich in manchen Momenten in mir selbst verloren. Ich habe getrauert, um Erinnerungen und Menschen, ich habe geliebt, andere und vor allem mich selbst. Ich habe Bücher gelesen, die mich und meine Einstellungen verändert haben, ich habe Musik in mir wirken lassen und mich unendlich viel weitergebildet. Ich habe neue Menschen in mein Leben gelassen und mich dafür berühren lassen, wie schnell mir anfangs Fremde doch nah sein können. Ich habe vertraut, ich habe gelernt. Ich habe mich getraut. Ich habe mich in diesen Monaten vor allem aber eingelassen. Auf andere und auf mich selbst. Ich stand ganz hoch in den Bergen und habe mich wie ein niemand gefühlt, bedeutungslos für die Welt, verbunden in dem Ursprung der Natur und das hat sich so gut angefühlt. Ich habe eine neue Firme gegründet und unmengen an Geld ausgegeben. Für wichtiges und weniger wichtiges. Vor allem für viel Eis. Ich habe mich treiben lassen, ich habe Angst gehabt, ich habe gezweifelt, ich habe stundenlang reflektiert. Ich habe mich geärgert, ich habe geweint, ich habe mir mitten in der Nacht im nirgendwo ein Hotelzimmer gemietet, weil ich vor lauter Frust nur Abstand gebraucht habe. Ich habe geschimpft, ich habe gelacht, ich habe tausende male den Kopf geschüttelt, aber noch viel häufiger gelacht. Ich habe nein gesagt, und ich habe ja gesagt. Ich habe mich distanziert und ich habe mich genähert. Aber vor allem habe ich endlich authentisch gefühlt.
 
Ich habe die letzten 6 Monate mit meinem Koffer gelebt und mich von allen materiellen Dingen distanziert, von denen ich dachte, sie wären unendlich wichtig. Ich habe gelernt, dass nichts und niemand in der Welt, mir bedingungslos das geben kann, was ich brauche. Sondern ich das Glück am tiefsten Punkt in meinem Herzen finden muss um mich ganz und gar hinzugeben. Dass ich versinken muss, in meinen Ängsten, dass ich loslassen muss und eintauchen muss in die Abgründe, die Zweifel um sie am Ursprungspunkt aus eigener Kraft zu heilen. Und ich habe verstanden, dass ich selbst all die Liebe verdient habe, die ich versucht habe allen anderen zu geben. Ich bin in mir zuhause. Und mit mir zuhause.