Das Leben ist kein Entweder – Oder | Homestory Anna & Cosimo

01.03.17

Ich sitze mal wieder in den Bergen und blicke auf den Vilsalpsee. Ein wunderschöner Ort hier im Tannheimer Tal in Österreich. Friedlich, beruhigend und gleichzeitig energetisch unglaublich anregend. Ich habe in den letzten Wochen viel über Definitionen und Individualität gelesen. Vor ein paar Tagen bin ich über folgenden Satz gestolpert, den eine Freundin über mich gesagt hat: „Müsste ich dich in einem Satz beschreiben, würde ich sagen: Du bist leidenschaftlich in emotionalen Gegensätzen.“

Ich liebe Gegensätze, weil sie so viel Bewegung in sich haben. Sie treiben mich an, motivieren mich, sie haben nie Stillstand. Ich liebe kleine und große Bewegungen. Ich liebe Schnelligkeit und gleichzeitig das Langsame. Ich liebe die lauten, schrillen und verrückten Momente genauso, wie die stillen, melancholischen und sanften. Ich liebe die Grenzenlosigkeit in den Bergen, die Weite, die Ruhe. Und ich mag auch die Enge, das Kuschelige, das Geborgene. Für mich sind Gegensätze kein Entweder – Oder. Für mich sind sie immer ein „und“.

Wir alle möchten immer weltoffen und herzlich sein. Uns nicht ärgern, uns nicht klein machen. Gleichzeitig möchten wir uns aber auch nicht zu groß machen, haben Angst zu viel Raum einzunehmen. Wir geraten in Situationen in denen wir uns ärgern. In denen wir uns verletzt fühlen. Und alles was wir versuchen, ist dieses Gefühl sofort wegzumachen. Ganz erwachsen beginnen wir zu reflektieren, dass meine Gefühle, dieser anderen Person gegenüber, gerade mehr über mich selbst, als über sie aussagen. Das es vollkommen in Ordnung sei, dass andere Menschen anders denken. Wir gestehen uns ein, dass unser Ärger nicht gerechtfertigt ist. Wollen das aufbrausende und den inneren Stress weg meditieren, es ans Universum nach oben abgeben. Damit wir im reinen Frieden weiterleben können. Weil das irgendjemand so vorschreibt? Ich sehe das anders. All diese Gefühle gehören zu uns. Wir beginnen Liebe ganz anders und neu zu spüren, wenn wir den Tod und Leid gesehen haben. Unser Vertrauen verändert sich, wenn wir Angst erleben haben. All die Gegensätze in uns verhindern, dass wir uns nicht mehr weiterentwickeln. Sie treiben uns an, halten uns in Bewegung.

Alles was ich euch damit sagen möchte ist, dass ihr nicht alle Dinge immer gut finden müsst. Wir dürfen Wut spüren, wir dürfen Schmerz fühlen. Wir müssen den Menschen die uns verletzt haben, nicht verzeihen. Wir brauchen diese Energie noch. Wir müssen nicht jede Situation die schmerzvoll war loslassen, sondern dürfen sie in unser Herz integrieren. Auch wenn wir uns nicht als Opfer unserer Umstände sehen, es ist ein unglaublich wertvolles Gefühl auch Verletzung in sich zu tragen. Für die wir Verantwortung übernehmen. Uns um sie sorgen.

Das Leben ist kein Entweder, Oder. Das Leben ist ein und.


 

Danke für das wunderschöne Shooting, ihr zwei Herzensmenschen!